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DOSSIER 6 /
MAI-JULI 2008
Der
multikulturelle Schrebergarten Deutschland
Von
Moslems, Michels und ihren Mauern
Eine Einführung von
Maraike Wenzel,
Köln
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Fanatismus,
Attentate, Unterdrückung, das sind gängige
Attribute, die viele Menschen dem Islam
zuschreiben. Laut der Allensbach-Studie (2005)
verbinden knapp 80 Prozent der Deutschen mit dem
Islam Fanatismus und gar 91 Prozent sagen aus,
sie denken beim Stichwort Islam an die
Benachteiligung von Frauen. Ungefähr drei
Viertel der befragten Personen ließen erkennen,
dass ihrer Meinung nach die islamische Kultur
nicht oder zumindest eher nicht in unsere
"westliche Kultur" passe. Nur sechs Prozent der
Befragten bekunden Sympathien für den Islam.
Aber wer sind
diese Muslime? Kann man überhaupt von DEN
Muslimen sprechen? Bestimmt nicht, denn Muslime
in Deutschland sind keine homogene Masse.
In unserem
Land leben etwas mehr als drei Millionen
Muslime, die aus 40 verschiedenen Nationen
stammen. Dabei unterscheiden sie sich nach
religiöser Grundrichtung (u.a. Sunniten,
Schiiten, Alleviten) und nach Religiosität. Der
Islam ist hier stark türkisch geprägt. Rund zwei
Millionen Muslime sind Türken. Viele dieser
Muslime bezeichnen sich als Kuturmuslime,
also von Geburt aus Muslime, aber ihre Religion
kaum oder gar nicht praktizierend. Sie alle als
DIE Muslime zu bezeichnet, wird der Komplexität
nicht gerecht.
Immer wieder
steht das interkulturelle Zusammenleben auf dem
Prüfstand. Die Debatten rund um die Integration
von Menschen mit Migrationshintergrund nehmen
immer wieder den Islam ins Blickfeld. Denn der
Islam macht die Andersartigkeit der Migranten
klar. Sie sprechen nicht nur eine andere
Sprache. Sie haben einen anderen Glauben, andere
Riten. Um die katholischen Italiener in
Deutschland wird nicht so viel Aufhebens
gemacht, dabei sind sie nachweislich eine der am
schlechtesten integrierten Migrantengruppen.
Der Islam stellt
neben den beiden christlichen Kirchen inzwischen
die drittgrößte Religionsgemeinschaft in der
Bundesrepublik dar. Dabei haben die Muslime
keine vergleichbare Organisationsform wie die
Kirchen. Der Islam kennt weder Papst, Konzilien
noch Synoden als Sprecher oder Vertreter der
Muslime. Es gibt zahlreiche Vereine, in denen
Muslime organisiert sind aber keine anerkannten
Ansprechpartner, die alle die in Deutschland
lebenden Muslime vertreten könnte. Das macht die
Integrationsdebatte so komplex.
Es existiert
eine breite Vielfalt muslimischen Lebens in
Deutschland, die verschiedene Interpretationen
des Islams ebenso kennzeichnet wie verschiedene
Identitäten, Lebensstile und Haltungen zu
gesellschaftlichen Fragen. Auch die Politik
kommt um das Thema nicht mehr herum. In
Anbetracht der Tatsache, dass jedes zehnte hier
geborene Kind von einer muslimischen Mutter
abstammt, auch sehr nahe liegend. Das
Widerstreben den Islam als einen
selbstverständlichen Bestandteil, ja eine
tägliche Realität in Deutschland zu akzeptieren,
liegt genau darin begründet, dass trotz
Selbstverständlichkeit im Umgang mit unseren
muslimischen Mitbürgern, immer noch ein großes
Unwissen und Vorurteile besteht. Die Eingangs
erwähnten Zahlen manifestieren das. Dabei darf
man nichts schön reden, ja es gibt
integrationsunwillige Muslime, Menschen, die
nach Jahrzehnten hier immer noch kein Deutsch
können, die sich abkapseln, in Parallelwelten
leben. Aber liegt das darin begründet, dass sie
Muslime sind?
Das Dossier
Im ersten Teil
unseres Dossiers gehen wir der Frage nach: Wer
sind sie die Muslime, diese unbekannten Wesen?
Cultura21 sprach mit Ali
und Rami, zwei jungen Männern, die
als Kinder von Moslems in Deutschland
aufgewachsen sind.
Weiter geht es
mit Mina Ahadi. Die
Vorsitzende des
Rates der Ex-Muslime hat
sich das Recht hart erkämpft, an keinen Gott
glauben zu dürfen. „Denn Religion ist nicht die
Hauptidentität des Menschen“, so Ahadi.
Im Gegensatz zu
Mina Ahadi spüren aber auch viele Menschen in
Deutschland eine Faszination gegenüber dem
Islam.
Der deutsche Barino B. konvertierte zum
Islam. „Der Islam weiß, was er will und was er
von seinen Mitgliedern zu verlangen hat.“ Die
klaren Regeln im Islam können auch Halt geben in
einer globalisierten, unspirituellen Welt.
Moscheebauten und Pläne für Großmoscheen
geben immer
wieder Zündstoff in der Integrationsdebatte. Pro Köln hat sich bekannt
gemacht mit dem Versuch, die Öffentlichkeit
gegen Moscheebauten zu mobilisieren. Regina
Wilden, eine der fünf Abgeordneten von Pro
Köln im Stadtrat von Köln sprach mit
CULTURA21 über ihre Ängste, dass Deutschland
überfremdet werden könne.
Weiter: Der
analytische Teil des Dossiers
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