 |
|
Barino
|
ISLAM IN
DEUTSCHLAND
Ein deutscher Konvertit
Barino, ein Konvertit, erlag der Faszination des
Islam. Hier fand er den Halt und die
Orientierung, die er in seinem bisherigen Leben
vermisst hatte. Der portugiesisch-stämmige
Hörfunk- und Fernsehjournalist Antonio Cascais
verfolgte über zwei Jahre lang den Weg Barinos
in den radikalen Islamismus.
von
Antonio Cascais
-------------------------
„Ich kam völlig
unbelastet in die Moschee. Ich kannte keine
Muslime näher. Aber ich war mir sicher, dass ich
Moslem werden wollte. Ich hatte auch schon
gelesen, wie das funktioniert: Man muss bloß
bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Allah,
und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist. Das
tat ich dann auch vor zwei Zeugen. Und dann war
ich drin…“ (Barino B.)
Barino B. wächst auf als
ein „ganz normaler“ deutscher Jugendlicher:
Mitte der achtziger Jahre wird er in Köln
geboren, als Sohn einer deutschen Alt-68erin und
eines ägyptischen Einwanderers. Er ist ein guter
Schüler, interessiert sich für
Naturwissenschaften, aber auch für Literatur und
Philosophie. Mit 18 Jahren entscheidet er sich,
zum Islam zu konvertieren.
Barino fühlt sich
angezogen vom Islam. Diese Faszination kann er
zunächst kaum in Worte fassen:
„Ich spüre einen Drang
in den Islam, eine wirklich spürbare
Faszination. Der Islam ist eine starke Religion.
Der Islam weiß, was er will und was er von
seinen Mitgliedern zu verlangen hat. Ich bin
nicht der einzige, der das empfindet. Viele
andere Leute, vor allem die Jugend, spricht das
extrem an. Es gibt keine andere Religion, keine
andere Ideologie, keine andere Bewegung, die so
attraktiv ist für junge Menschen, wie der
Islam.“
Der Islam ist eine starke
und vor allem einfache Religion: Ein
Gott, eindeutige Regeln, eine
Wahrheit, keine Zweifel… Genau das
Gegenteil von dem, was in seiner Kindheit und
Jugend von seinen Eltern und Lehrern propagiert
worden war: Dialektik, freier Wettbewerb von
verschiedenen Ideen, Akzeptanz unterschiedlicher
Werte und Lebensformen, Individualismus…
Karola, seine Mutter: Eine
linke Pädagogin, bei den Grünen engagiert,
unreligiös, katholisch nur auf dem Papier. Sie
hat etwas dagegen, Kinder taufen zu lassen.
„Meine Kinder sollten frei aufwachsen,
‚Spiritualität’ vermittelte ich ihnen über
gemeinsame Erlebnisse in der Natur,
Waldspaziergänge, oder ähnliches…“, erinnert sie
sich. An der Universität hatte sie in den späten
siebziger Jahren einen Ägypter kennen gelernt.
Barino, das mittlere von drei Kindern...
Morris, Barinos Vater: Der
studierte Mathematiker, entstammte einer
koptisch-orthodoxen Familie – gehörte also der
christlichen Minderheit in seinem Heimtatland an
– war aber ebenfalls nicht gläubig. Ein
Agnostiker vielmehr...
Wie nahmen seine Eltern
seine Hinwendung zum Islam auf?
Barino erinnert sich:
„Mein Vater war immer
ein offener Mensch, der die Einstellung hatte:
Mein Sohn soll sich selber seine Religion
suchen, oder auch nicht, und damit glücklich
werden. Als ich allerdings zum Islam übertrat
war er schockiert: Er ließ es sich zwar nicht
anmerken, aber er empfand es als eine
Katastrophe. Als Ägypter kennt er den Islam und
weiß, was der Islam bedeutet. Und nun musste er
mit ansehen, wie sein eigener Sohn derselben
Ideologie folgt, unter der seine Familie
gelitten hatte. Ich kann mir vorstellen, dass
das nicht einfach für ihn war…
(…)Auch meine Mutter
hatte mir immer gesagt: Ich will Dir keine
Religion vorschreiben. Als ich im Islam landete
hat sie es zunächst akzeptiert. Später,
allerdings, bekam sie Zweifel und die wurden
immer größer, als sie sah, in welche Richtung
ich mich entwickelte. Und das ging so weit, dass
sie mir gesagt hat: Du setzt keinen Fuß mehr in
meine Tür...“
Barino war
inzwischen 21. Die Kölner Abu Bakr Moschee,
die von Kölner Muslimen selbst immer wieder
als „Hort der verbotenen Muslimbrüderschaft“
bezeichnet wurde, war zu Barinos geistigem
Zuhause geworden: Dort hatte man ihm gesagt,
der Koran sei das unverfälschte Wort Gottes.
Dort hatte er erfahren, dass er als Muslim
keine Sure, keinen Vers, kein Wort weglassen
oder filtern dürfe…
Barino hatte sich
vertieft in die heiligen Schriften des Islam:
in den Koran, in die Hadithen-Sammlung, in die
Sunnah, die authentische Tradition des
Propheten Mohammed. Er hatte inzwischen
arabisch gelernt und konnte fast den gesamten
Koran auswendig rezitieren. Nichtislamische
Literatur oder Musik verbannte er nach und
nach aus seinem Leben. Mit 22 ist sein Prozeß
der Radikalisierung abgeschlossen:
„Mein Leben
bestimmt der Koran, 24 Stunden am Tag. Ich
gehe mit dem Koran schlafen, ich träume vom
Koran, ich wache mit dem Koran auf. Wenn ich
zur Arbeit fahre
(Barino hatte
inzwischen eine Ausbildung bei einer
Versicherung angefangen; Anm. des Verf.)
höre ich Koranrezitationen im Auto…“
Barino lässt sich
in allen Lebensbereichen von den islamischen
Geboten und Verboten leiten. Er betet fünf Mal
am Tag in der vorgeschriebenen Weise,
pünktlich zur vorgeschriebenen Zeit in die
vorgeschriebene Richtung. Er fastet zu den
vorgeschriebenen Anlässen. Er trinkt keinen
Alkohol und isst kein Schweinefleisch… Alle
Handlungen, in allen Bereichen des Lebens,
teilt er inzwischen ein - in „haram“
(verboten) oder „halal“ (erlaubt). Die
Anleitungen dazu sucht und findet er in den
Quellen des Islam.
Weiter: "Als
Moslem sollten man den Umgang mit
Andersgläubigen meiden"
|